Staubige Weihnachten! Ein Staubsauger geht seinen Weg, Teil 2

Abgestellt, vergessen und sich selbst überlassen findet ZX 963, ein Staubsauger Baujahr 1965, sich eines eisigen Wintertages vor dem Haus seiner Besitzer wieder. Man hat ihn ausgemustert, weil es für ihn angeblich keine Staubsaugerbeutel mehr gibt. Zwischen alte, fleckige Matratzen und Sperrholzplatten gestellt wird ihm jedoch eines klar: Hier gehört er nicht hin! Auf der Suche nach einem passenden Beutel findet er schließlich seine wahre Bestimmung.

ZX 963 fühlte sich ausgeruht und war guter Dinge: Der Traum hatte ihm Mut gemacht. Über Nacht waren 10 Zentimeter Schnee gefallen; so kam er zwar nur langsam voran, freute sich aber trotzdem, weil der Schnee das Quietschen seiner Rollen ein wenig dämpfte. Auf dem Weg aus der Stadt hinaus überlegte er sich, wohin er am besten fahren könnte, um einen passenden Staubsaugerbeutel zu finden. Plötzlich fiel ihm etwas ein: Beim Besuch von Frau Schaluppkes britischer Großtante Mary im Jahr 1985 hatte er zufällig gehört, dass es in England im Grunde nur zwei wirklich wertvolle Dinge gebe: die Queen und den Fünf-Uhr-Tee.

Prompt hatte sie als Gastgeschenk eine Packung Teebeutel mit kleinen Krönchen dabei. „Das ist es“, dachte ZX 963. „Ich besorge mir einen Teebeutel! Dann werden die Schaluppkes sehen, wie wertvoll ich für sie bin und den beutellosen Angeber vor die Tür stellen.“ – Und im Geiste sah er schon Frau Schaluppke mit Tränen der Rührung in den Augen vor sich stehen.

ZX 963 machte sich also auf den Weg zum Flughafen und fragte sich bis zur Transportrampe durch. Alles lief wie geschmiert. Um 14:35 Uhr lag er neben Koffern, Kisten und Taschen im Bauch einer Maschine nach London und war ziemlich aufgeregt. In London angekommen nieselte es zwar, aber das störte ihn nicht. Im Restaurant der Empfangshalle pirschte er sich an das Abendbuffet heran. Er sah Teebeutel in allen Variationen und entschied sich schließlich für eine Ceylon-Blend-Mischung mit edlem silbergrauen Schildchen und zwei Krönchen. Mit drei Teebeuteln im Gepäck verschwand ZX 963 in der Damentoilette. Er versuchte, sie in seinem Inneren zu befestigen, aber es klappte nicht. Auch sein Stecker passte nicht in die Steckdose.

Nach einer Stunde gab ZX 963 erschöpft und traurig auf. Er rollte unter das Prospektregal eines Reisebüros und schlief ein. Im Traum erschien ihm wieder die dicke, rote Fee mit der tiefen Stimme, und wieder sagte sie: „Komm zu mir! Ich mag Dich auch ohne passenden Staubsaugerbeutel!“ Gleich fühlte sich ZX 963 besser und wusste, dass alles doch noch gut werden würde.